Rennt die Zeit ???

Rennt die Zeit ~ 2018
14 Februar 2018

Liebe Leserinnen,  Liebe Leser,

meinen Artikel über den Lauf der Zeit hatte ich auf Wiedervorlage 2018 gestellt, und ich komme heute zu einem anderen Ergebnis als vor einem Jahr.

Die Vorgeschichte ging so:
Habt ihr auch den Eindruck, dass die Zeit mit jedem Jahr schneller läuft? - Die Jahre 2016 und 2017 waren kürzer als alle Jahre davor, aber die Kalender oder die Uhren zeigen das nicht an.

Ein Nachbar hier aus dem Haus erzählte mir Anfang Januar 2017, dass er gar keine Lust mehr dazu hätte, die Oldies anzuhören, also die alten Schlager aus den 1960er Jahren, weil sie sich heute nicht mehr so anhören wie damals, als sie neu waren. Er sagte, die Stimmen klingen zu schrill, und die Rhythmen hätten an Geschwindigkeit zugelegt. Genauso, als ob die Platten zu schnell abgespielt würden.

Einige Tage später hatte er eine Lösung gefunden, über die er selbst noch sehr erstaunt war. Er erklärte, auf seinem Computer hätte er jetzt ein Audio-Programm, mit dem er in der Lage sei, Audio-Dateien zu  d e h n e n. Diese alten Schlager aus den 1960er oder 1970er Jahren müssten allesamt um 8 Prozent gedehnt werden. Dann, so erklärte der Nachbar, hörten sie sich genauso an, wie sie sich damals anhörten, als er ein junger Mann war.

Ich war fasziniert, als ich das hörte, und lauschte den Beispiel-Schlagern, die der Nachbar auf diese Weise vorbereitet hatte.

Kennt Ihr den Song "I can't stand the Rain" von 1977? – Wenn dieser alte Schlager um 8 Prozent gedehnt wird, dann ist die Stimme der Sängerin wieder voll und der Donner zu Beginn hört sich wirklich enorm an – so wie damals.

Ist das der Beweis, dass es einen Unterschied gibt zwischen den alten Zeiten und heute, was die Geschwindigkeit der Zeit angeht?

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Der Punkt, den ich letztes Jahr nicht gesehen hatte:
Wenn die Klang-Dateien von 1968 oder 1977 gedehnt werden müssen, damit sie sich heute wieder richtig anhören, dann wird der Zeit von DAMALS etwas hinzugefügt, damit es heute richtig klingt... 

Das bedeutet, die laufende Zeit (als Hintergrund für den Klang) läuft verglichen mit 1977 heute schneller, und die in den Klang von damals hinzugefügten Sekunden bringen den Song für heute (vom Klang her, nach Gehör) auf die richtige Geschwindigkeit. 

Wenn eine alte Schallplatte heute langsamer abgespielt werden muss, damit sie sich anhört wie früher, bedeutet dies, damals war mehr Zeit vorhanden.
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Wir hatten den Song „I can’t stand the Rain“ von 1977 von 3min 7sec auf 3min 24sec gedehnt, also um 17 Sekunden verlängert, damit er sich wie damals anhört.

Genauso gut könnten wir ihn nochmals um 17 Sekunden  d e h n e n.  Das würde sich für uns „zu langsam“ anhören, aber ein Oldies-Fan in 2057 wüsste dann, wie sich die Platte 80 Jahre vorher angehört hatte.

Um das zu erreichen, müssten wir also eine stark gedehnte Audio-Datei vorbereiten. Diese mit zusätzlicher Zeitmenge (Original: 3min 7sec plus 34 Sekunden = 3min 41sec) ausgestattete Ton-Datei würde in 2057 richtig klingen. Aber wir müssen sie heute für die Zukunft „verlangsamen", also mit zusätzlicher Zeit ausstatten, die 2057 nicht mehr da sein wird. Das bedeutet:

Die Zeit wird in 2057 schneller laufen als heute.
Oder mit anderen Worten, es wird weniger Zeit da sein als heute.
Nach dieser Logik läuft die Zeit heute schneller als 1977.

Noch etwas:
Wenn ich die oben errechneten 8 bis 9 Prozent zugrunde lege, um die alte Schlager verlängert werden müssen, was sich buchstäblich nur nach Gehör bestimmen lässt, komme ich darauf, dass die Tage heute um gut 2 Stunden kürzer sind als damals.

Von 24 Stunden 8,5 Prozent abziehen:
24 x 0,915 = 21,96 Stunden = 21:58 h

Ein völlig normaler Tag in 2018 hätte demnach nur noch 22 Stunden, wenn eine Uhr von 1977 uns heute die Zeit anzeigen könnte. Die Tage sind um 2 Stunden kürzer geworden, die Zeit rennt uns nicht nur gefühlt, sondern tatsächlich schneller weg als früher. 

Wird ein Tag in 2058 demnach nur noch 20 Stunden haben ???

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30 März 2018

Inzwischen haben mich einige Rückmeldungen zu dem Thema erreicht. 

Erwähnenswert ist, dass ein Bekannter die ganze Angelegenheit prüfte und danach erklärte, es dürfte den Audio-Dateien höchstens fünf und allerhöchstens sechs Prozent hinzugefügt werden, weil sie sonst für seine Ohren einfach zu langsam liefen. Was ich mir denn dabei gedacht hätte, einfach alle Songs von damals auf tranig-langsam zu dehnen?

Nun ja, über Geschmack lässt sich nicht streiten, aber gilt das auch für's Gehör?

Offensichtlich ...

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Siehe auch
http://www.gehvoran.com/2017/01/das-phaenomen-der-zeitbeschleunigung/
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